Montag, 21. Dezember 2015

Mali: Tuareg dringen auf schnellere Umsetzung des Friedensabkommens

„Die Lage in Nord-Mali ist äußerst angespannt, weil die Tuareg und arabische Nomaden der Regierung vorwerfen, ihre Zusagen nicht einzuhalten. Auch hält die Gewalt islamistischer Extremisten weiter an“, erklärte der  Afrikareferent der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), Ulrich Delius am Sonntag in Göttingen.
Sechs Monate nach der Unterzeichnung eines Friedensabkommens für Mali und wenige Wochen vor der Stationierung von Bundeswehrsoldaten im Norden des Landes hat die GfbV eine zügigere und konsequentere Umsetzung des Friedensvertrags angemahnt. „Dringend sollte sich die deutsche Bundesregierung auch im Interesse der Sicherheit der Bundeswehrsoldaten für eine wirksame und glaubwürdige Umsetzung des Friedensabkommens einsetzen.“ Der Friedensvertrag zwischen der Regierung Malis und den Tuareg und Arabern im Norden des Landes hatte am 20. Juni 2015 zweieinhalb Jahre Bürgerkrieg beendet.

Tuareg erwarten Versöhnung durch nationale Konferenz   

Die Bewegungen aus dem Norden haben der Regierung Malis nun ein Ultimatum gestellt, um die Bestimmungen des Friedensvertrages endlich umzusetzen. Insbesondere warten die Tuareg ungeduldig auf die Einberufung einer nationalen Konferenz, um über die Ursachen der
Unzufriedenheit der Menschen im Norden des Landes zu beraten. Die Tuareg versprechen sich davon mehr Respekt ihrer Rechte sowie eine stärkere Förderung ihrer lange vernachlässigten Region. Auch könnte mit dieser Konferenz die nationale Versöhnung vorangetrieben werden, die von der Regierung vernachlässigt wird.

Tausende Kinder können nicht zur Schule

„Sechs Monate nach der Unterzeichnung des Friedensvertrages ist die Lage in Nord-Mali noch immer sehr gefährlich und weit von Normalität entfernt. Jede Woche kommt es zu Überfällen und Kämpfen mit islamistischen Extremisten“, erklärte Delius. Rund 380.000 Kinder können wegen der angespannten Sicherheitslage noch nicht die Schule besuchen. Fast 140.000 Menschen leben noch immer als Flüchtlinge in den Nachbarländern und 62.000 haben in anderen Regionen Malis Zuflucht gesucht.

Tuareg befreien Nomaden aus den Händen von Islamisten

Erst letzte Woche wurden vier Menschen bei Kämpfen zwischen Tuareg und Islamisten getötet, als Tuareg versuchten, dreizehn von den Extremisten verschleppte Nomaden zu befreien. Am 17. Dezember wurden drei Jugendliche in Timbuktu mutmaßlich von einem Islamisten ermordet. Am 13.
Dezember waren bei einem Angriff auf eine Kaserne in Niono zwei Soldaten getötet und einer verletzt worden. Deutschland will bis zu 650 Bundeswehrsoldaten spätestens ab Ende Januar 2016 im Rahmen der MINUSMA-Friedensmission der UN im Norden des Landes stationieren, um die Einhaltung des Friedensabkommens zu überwachen.


Information: Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) 
Ulrich Delius Tel. 0160/95671403