Donnerstag, 5. November 2015

Alger - Climat de France

Galerie Kornfeld, Berlin

Alger - Climat de France     
Ausstellung von Stéphane Couturier 

Noch bis zum 24. November 2015 präsentiert die Galerie Kornfeld in Berlin den französischen Architekturphotographen Stéphane Couturier. Die Bilder aus Alger - Climat de France, so der Titel, sind Frontalansichten des gleichnamigen Wohnviertels in Algier.

1957 geboren, feiert Couturier Erfolge in Frankreich und den Vereinigten Staaten von Amerika, in Deutschland ist er relativ unbekannt. Dies möchte die Galerie Kornfeld ändern und hat Stéphane Couturier zum zweiten Mal nach Berlin eingeladen. Der Kurator Tilman Treusch hat den Fotokünstler vor rund 15 Jahren kennengelernt. Bekannt wurde der Photograph u.a. durch seinen Bildband Paris Berlin mit Ansichten städtischer Architektur. „Er sieht Dinge, die Emotionen auslösen und etwas erzählen“ sagt der Kurator im Kulturradio (RBB).

Die Ausstellung

Die aktuelle Ausstellung zeigt Ausschnitte von Frontalansichten der Häuser von Climat de France am Fluss Koriche, einem Viertel im berüchtigten Stadtteil Bab el-Oued (Tor zum Fluss) zwischen der Kasbah und der Basilika Notre Dame d’Afrique. Die großformatigen Bilder sind in den letzten drei bis fünf Jahren entstanden. Gezeigt werden Fenster vor denen Wäsche im Wind flattert, Satellitenschüsseln sind am Balkongeländer angeschraubt, Decken hängen über den Geländern, Kabel hängen herunter. Menschen sind kaum zu sehen, aber das, was sie mit der Architektur im Lauf der Zeit gestaltet haben. Es entstand „eine Struktur wie abstrakte Malerei“, die lebt.
Das Titelbild der Ausstellung zeigt eine Gebäudewand in Bab el-Oued mit einer unendlich langen Fensterfront und dahinter die Bucht von Algier mit Schiffen, die auf Reede liegen. Tilman Treusch sieht darin eine „versperrte Weite“- das Meer symbolisiert die Unabhängigkeit, die Tanker den Reichtum, die heruntergekommenen Kolonialbauten die Geschichte.

Geschichte des Climat de France

Die Gebäude des Climat de France entstanden zwischen 1956 und 1960 nach Entwürfen des bekannten französischen Architekten Fernand Pouillon, der auch einige Hotels im landestypischen Stil in Algerien bauen ließ. Auf 15000 Quadratmetern entstand das mehrstöckige Zentralgebäude mit einer Länge von 235 Metern und 40 Metern in der Breite um einen Marktplatz mit Geschäften unter den Arkaden, den die Algerier „Platz der 200 Säulen“ nannten. Moschee, Schule, Stadion und Gärten ergänzten das Ensemble. Geplant waren 4500 Wohneinheiten für 30000 Bewohner, zuletzt lebten in diesem überbevölkerten Komplex über 50000 Einwohner, auch auf dem Dach und in Kellern. 2003 hielt es sogar einem schweren Erdbeben stand.
Die Bewohner der Stadt in der Stadt im Herzen von Algier sollten nicht in Slums (Bidonvilles), sondern in guter Nachbarschaft sollten „Algerier und Algerien-Franzosen, Muslime und Nichtmuslime“ zusammen leben. Allerdings war dieses Viertel zum Teil auf historischem Boden gebaut und nicht zuletzt wollte Frankreich noch einmal seine Macht demonstrieren, denn das Viertel entstand während des Unabhängigkeitskrieges und so konnten Tausende von Arbeitern beschäftigt werden und wurden damit vom Bombenbauen abgelenkt.
Bald könnten diese Bilder Geschichte schreiben, denn Anfang 2015 wurde das baufällige Climat de France geräumt und die Bewohner in neuere Viertel umgesiedelt.

Stéphane Couturier
Alger - Climat de France
24. Oktober bis 24. November 2015

Galerie Kornfeld
Fasanenstr. 26
10719 Berlin - Charlottenburg

20.Internationale Buchmesse in Algier

Messe Algier
Bis zum 7. November findet in Algier die 20. Internationale Buchmesse SILA statt. Namhafte Verlage und algerische Schriftsteller präsentieren ihre Neuheiten. Diesjähriges Ehrengastland ist Frankreich.  www.sila-dz.com  

Für seinen Roman "Der Fall Meursault, Contre-Enquête" gewinnt der algerische Schriftsteller Kamel Daoud den bekannten Prix Goncourt. Darin beschreibt er "den ermordeten Araber" in Albert Camus' Roman "Der Fremde" aus seiner Sicht und gibt ihm einen Namen.