Samstag, 30. August 2014

Tilman Zülch, Gründer der Gesellschaft für bedrohte Völker, wird 75

Der Gründer und Generalsekretär der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), Tilman Zülch, feiert am 2. September seinen 75. Geburtstag.

GfbV hat Beraterstatus bei den UN

Unter seiner Leitung hat sich aus der Hamburger Aktion „Biafra-Hilfe“
1970 die internationale Menschenrechtsorganisation GfbV mit Hauptsitz in Göttingen entwickelt. Sie zählt rund 6000 Mitglieder sowie 20 000 Förderer und Spender, hat Sektionen und Repräsentanten in mehreren europäischen Ländern, in den USA und Irakisch-Kurdistan. Zülch erhielt eine Reihe von Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz, die Ehrenbürgerschaft der Stadt Sarajevo und den Bürgerrechtspreis des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, sowie Herausgeber zahlreicher Bücher. 1993 wurde der GfbV der Beraterstatus bei den Vereinten Nationen verliehen.

Eigene Vertreibung war Auslöser für die Gründung

Die eigene Vertreibung 1945 aus Deutsch-Liebau im Sudetenland hat Zülch zum Getriebenen gemacht. Er studierte Volkswirtschaft und Politik. Doch statt Hamburger Kaufmann zu werden, setzte er sich in ungezählten nationalen und Internationalen Kampagnen gegen Völkermord, Vertreibung und andere Verbrechen gegen die Menschlichkeit ein. Dabei ging es ihm besonders um die Rechte verfolgter und unterdrückter ethnischer, religiöser und sprachlicher Minderheiten und Ureinwohner.

Vor wenigen Tagen hat die GfbV noch einmal dazu aufgerufen, langjährig geduldete Flüchtlinge vor der Abschiebung zu schützen. „Wir müssen es vor allem den hier geborenen und aufgewachsenen Flüchtlingskindern ersparen, aus dem Land gejagt zu werden, das längst ihre Heimat geworden ist“, fordert er. Große Sorgen bereiten ihm im Augenblick die Christen und Yeziden im Irak und Syrien, die von der extremistischen Terrorgruppe „Islamischen Staat“ gejagt werden. 

Bedrohte Menschen aus aller Welt suchen Hilfe bei der GfbV

Aber auch Ureinwohner und andere Betroffene aus aller Welt suchen ständig Hilfe bei der GfbV. „Sie werden von unseren sogenannten Errungenschaften überrollt“, sagt Zülch.
Schlagworte wie Klimawandel, Energiehunger und Bodenschatzabbau oder Antiterrorkampf verschleiern den Überlebenskampf vieler kleiner Volksgruppen. Riesige Staudämme, Waldrodungen, Bergbau und Ölbohrungen vernichten ihre Lebensgrundlagen. 
In anderen Regionen haben Kriege und der Antiterrorkampf ihre Haupteinnahmequelle, den Tourismus, zusammenbrechen lassen.

„Machtbesessene oder unwillige Diktatoren, gedankenlose Regierungen oder rücksichtslose Wirtschaftsgiganten schüchtern uns nicht ein“, sagt der GfbV-Gründer bestimmt. „Wir schwimmen auch künftig konsequent und ideologisch unabhängig gegen den Strom.“ Deutsche Vergangenheitsbewältigung dürfe nicht dazu führen, andere historische Verbrechen wie die des Stalinismus und der Massenvertreibungen nach 1945 zu tabuisieren und heutigen Genozid klein zu reden.

300 Millionen Ureinwohner werden rechtlos behandelt

„Meine Hoffnungen, dass nach dem blutigen 20. Jahrhundert mit über 200 Millionen Getöteter endlich ein Jahrhundert der Vernunft folgt, hat sich nicht erfüllt“, bedauert er. Die Ukraine, Syrien, Israel und Palästina, der Irak, Nigeria, Mali und der Südsudan, zählt er blutige Auseinandersetzungen auf. Die Landrechte für 300 Millionen Ureinwohner sind nicht eingelöst. Sie werden noch immer als rechtlos behandelt.


Weitere Informationen und wie Sie Mitglied werden können,  finden Sie unter www.GfbV.de
Quelle: GfbV

B.Agada