Montag, 13. Februar 2012

Tuareg-Konflikt eskaliert - Mindestens 78.000 Menschen auf der Flucht

Mindestens 78.000 Menschen sind seit Ausbruch des neuen Tuareg- Konfliktes im Norden Malis vor vier Wochen vor Gewalt und Übergriffen geflohen. Dies erklärte die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Samstag in Göttingen. "Alleine in den letzten fünf Tagen sind 59.000 Tuareg und Angehörige anderer Bevölkerungsgruppen aus dem Krisengebiet geflüchtet", erklärte der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius. "Angesichts der Massenflucht muss die internationale Staatengemeinschaft dringend konkrete Friedensinitiativen für den Norden Malis ergreifen." Ein Aufruf der französischen Regierung zum sofortigen Widerstand stieß auf keine nennenswerte Resonanz.

Massenflucht im Norden Malis

Von den mindestens 78.000 Flüchtlingen haben 40.000 Menschen in den Nachbarländern Malis Zuflucht gesucht. Rund 15.000 erbaten in Niger Schutz, 12.000 trafen in Mauretanien ein, 8.000 Menschen nahm Burkina Faso auf und 5.000 Personen suchten in Algerien Schutz. Täglich nimmt die Zahl der Flüchtlinge zu, die in den Nachbarstaaten Zuflucht suchen.

Doch auch in Mali hält das Flüchtlingselend an. So leben mindestens 38.000 Menschen als Binnenvertriebene aufgrund der anhaltenden Kämpfe zwischen der Tuareg-Freiheitsorganisation "Nationale Bewegung für die Befreiung des Azawad (MNLA) im Norden Malis. Allein aus der Stadt Menaka in der Region Gao sind rund 26.000 Menschen geflohen. Auch in der Region Timbuktu sind nach Schätzungen lokaler Organisationen weit mehr als 10.000 Menschen auf der Flucht.

Massenflucht von Tuareg, auch wegen Hungerkatastrophe

"Die Massenflucht von Tuareg und anderen Bewohnern dieser kargen Region droht die sich abzeichnende Hungerkatastrophe in der Sahelzone noch weiter zu verschärfen", erklärte Delius. "Denn auch dort, wo die Flüchtlinge nun Schutz suchen, fehlt es bereits heute an Nahrungsmitteln."

Die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hatte in dieser Woche davor gewarnt, dass schon bald rund elf Millionen Menschen in der Sahelzone unter einer Hungerkatastrophe leiden könnten. Auch werden die militärischen Auseinandersetzungen die Versorgung der Not leidenden Bevölkerung weiter erschweren.

weitere Informationen gibt die Gesellschaft für bedrohte Völker
 
 

Montag, 6. Februar 2012

Auslöschung der Tuareg befürchtet

16.000 Menschen fliehen vor Gewalt in Nachbarländer
Mehr als 16.000 Menschen sind seit Ausbruch des Tuareg-Konfliktes in Mali vor drei Wochen in die Nachbarländer Niger, Mauretanien und Burkina Faso geflohen. Allein seit Freitag letzter Woche haben mehr als 4.000 neue Flüchtlinge in Mauretanien Zuflucht gesucht, erklärte die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Montag in Göttingen. "Vor allem Frauen und Kinder fliehen vor den Kämpfen zwischen Tuareg-Rebellen und regulären Soldaten sowie vor Übergriffen der Konfliktparteien", sagte der GfbV- Afrikareferent Ulrich Delius. Viele Flüchtlinge sind Tuareg sowie Angehörige anderer in den Städten Nord-Malis lebender ethnischer Gruppen.

Kinder und Hochschwangere müssen ihr Land verlassen
So sind unter den Neuankömmlingen in Mauretanien mehr als 1.450 Kinder im Alter unter fünf Jahren. Auch rund 80 hochschwangere Frauen suchten am Wochenende Schutz in dem 1.260 Kilometer östlich der mauretanischen Hauptstadt Nouakchott gelegenen Grenzstadt Fassala Néré. "Dringend benötigen diese Flüchtlinge mehr humanitäre Betreuung, da die örtlichen Einrichtungen mit der Versorgung der vielen Hilfe suchenden Flüchtlinge überfordert sind", erklärte Delius.

Übergriffe von Soldaten auf Tuareg
Während in Mauretanien eintreffende Flüchtlinge über Übergriffe von Soldaten auf Tuareg berichten, suchen in Niger auch viele Angehörige anderer ethnischer Gruppen Zuflucht, die vor Angriffen von Tuareg-Rebellen auf ihre Städte flohen. Fast 10.000 Flüchtlinge aus Nord-Mali haben in den letzten zwei Wochen im Nachbarland Niger Schutz gesucht. Auch im benachbarten Staat Burkina Faso trafen bereits mehrere hundert Tuareg- Flüchtlinge ein.

Tuareg-Konflikt in Mali eskaliert
"Der Exodus der Zivilbevölkerung aus dem Norden Malis wird noch weiter zunehmen, da kein Ende der bewaffneten Auseinandersetzungen absehbar ist", warnte Delius. Während die Armee Malis über schwere Kämpfe mit der Tuareg-Freiheitsorganisation "Nationale Bewegung für die Befreiung des Azawad (MNLA)" berichtete, bei denen letzten Freitag und Samstag 20 Tuareg-Kämpfer getötet worden sein sollen, behauptet die MNLA, die Regierungssoldaten aus weiteren strategisch bedeutsamen Positionen im Norden Malis vertrieben zu haben. Von unabhängiger Seite sind diese Angaben aufgrund der schwierigen Sicherheitslage nicht überprüfbar.

Malis Regierung setzt auf eine militärische Niederlage der MNLA. Doch die Vorsitzenden der fünf bedeutendsten politischen Parteien des Landes haben die Regierung am letzten Wochenende zum Dialog mit den Tuareg aufgefordert, um eine politische Lösung des Konflikts zu finden.

Weitere Informationen gibt Ulrich Delius  Tel. 0160 / 95 67 14 03
http://www.gfbv.de/

Freitag, 3. Februar 2012

Mali muss den Schutz von Tuareg garantieren

Nach pogromartigen Übergriffen gegen Tuareg hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV)  die Regierung Malis aufgefordert, den Schutz der Tuareg-Zivilbevölkerung zu garantieren. "Die Tuareg dürfen nicht alleine aufgrund ihrer ethnischen Abstammung pauschal als mutmaßliche "Aufständische" behandelt werden und ihnen der Schutz durch Sicherheitskräfte verweigert werden", erklärte der GfbV- Afrikareferent Ulrich Delius. "Verantwortliche für Pogromartige Übergriffe gegen unbewaffnete Tuareg müssen vor Gericht zur Rechenschaft gezogen werden. Unbewaffnete Tuareg wie Freiwild zu behandeln, verstößt gegen internationale Menschenrechtskonventionen."

Tuareg wurden angegriffen
Nach militärischen Erfolgen von Tuareg-Rebellen sind seit letztem Dienstag Geschäfte und Häuser von Tuareg in den Städten Kati und Bamako angegriffen worden, ohne dass Sicherheitskräfte intervenierten. Vor allem Frauen und Mütter von Soldaten, die seit Ausbruch der neuen Tuareg- Revolte im Norden Malis im Januar 2012 getötet wurden, hatten in der Garnisonsstadt Kati eine Apotheke, ein Krankenhaus und weitere Geschäfte von Tuareg verwüstet und geplündert. Tuareg-Bewohner der Stadt suchten daraufhin im Polizeipräsidium Zuflucht, weil sie um ihr Leben fürchteten.

Tuareg haben Anrecht auf Schutz
"Unbewaffnete Tuareg haben wie alle anderen Staatsbürger Malis ein Anrecht auf Schutz durch staatliche Sicherheitskräfte", erklärte Delius. Als oberster Garant der staatlichen Ordnung müssen Polizei und Armee die Sicherheit aller Staatsbürger sowie den Schutz ihres Eigentums unabhängig von ihrer ethnischen Abstammung gewährleisten.

Tuareg dürfen nicht ausgegrenzt werden
Die Demonstranten und die Regierung Malis warfen Tuareg-Rebellen...